Deutschland

Viele verdienen an der Auswanderung

Angefangen von den Schiffsagenten, die teils selbstständig oder im Auftrag der Reedereien von Dorf zu Dorf zogen und eine Art mobiles Reisebüro waren. Sie priesen die Länder an und malten Bilder in die Köpfe der Menschen, dass anderswo Milch und Honig fließen würde. Hatten die Menschen eine Passage gebucht, mussten sie nach Bremerhaven kommen. Nur wenige konnten sich die Fahrt mit Kutsche oder später der Eisenbahn leisten. Waren die Auswanderer in Bremerhaven angekommen mieteten sie sich bis zur Abfahrt ein Zimmer, mussten essen und trinken. Ebenso verdienten die Reedereien, die Unternehmen, die die Schiffe mit Proviant versorgten, Tuch- und Stoffhändler und weitere Betriebe und schließlich auch die Stadt Bremerhaven / Bremen durch das erhöhte Steueraufkommen gut an den Auswanderern.

Aber auch „Gesindel“ versuchte den Auswanderern noch Geld abzuluchsen. Im Hafen gab es dann die so genannten Litzer, die Personen die noch nicht gebucht hatten ansprachen und diese dann zur Reiseagentur begleiteten. Sie arbeiteten auf selbständiger Basis mit den Auswanderungsagenturen zusammenarbeiteten und erhielten dann Geld für ihre Vermittlerdienste. Außerdem versuchten sie „für die Überfahrt nützliches“ wie Nahrung, Geschirr oder Bettzeug an die bereits geschröpften Auswanderer zu veräußern.

New York

Im Gegensatz zum Hamburger Senat sah der Bremer Senat sofort die Mehreinnahmen für das Staatssäckel und förderte die Auswanderung über Bremerhaven. Als die Reedereien ab 1890 wegen neuer Auswanderungsgesetze für humanitärere Verhältnisse auf den Schiffen die Versorgung der Reisenden selbst in die Hand nahmen änderte sich einiges zum Wohle und zur Sicherheit der Auswanderer: Diese müssen nun bereits vor Ankunft in Bremerhaven für Unterkunft, Reise und Verpflegung bezahlen. Das hatte für die Stadt Bremen den großen Vorteil, dass sie sich nunmehr nicht mehr um mittellose Auswanderer kümmern musste und diese aus der Armenkasse der Stadt versorgen muss.

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Warten vor der Überfahrt