Deutschland

Berühmte Auswanderer

Der Urahn: Josef Kamp, Angelina Jolies Großvater, tritt im August 1893 in Hamburg seine Reise nach New York an Bord des Schiffes Columbia an. Der alleinstehende 30-jährige Schneider aus Büren in Westfalen wollte ursprünglich nach Philadelphia. Spätere Volkszählungseinträge zeigen, dass er sich stattdessen in Yonkers nördlich von New York City niedergelassen hat. Ungefähr 40 Jahre später überquerte er noch einmal den Atlantik in Richtung New York: von Cherbourg an Bord der SS Hamburg. Der mittlerweile 75-jährige Witwer, der seit 1936 amerikanischer Staatsbürger ist, legt am 1. April 1938 wieder in New York an.

Der Musiker: Gustav Mahler (1860 – 1911) aus Böhmen erlangte als Komponist und Dirigent Weltruhm. Bereits mit fünfzehn Jahren nahm er seine Ausbildung am Wiener Konservatorium auf. Als Kapellmeister dirigierte er Opern an vielen bedeutenden Opernhäusern Europas. Von März 1891 bis April 1897 war er erster Kapellmeister am Stadttheater Hamburg, der späteren Hamburger Staatsoper. Von dort ging er für 10 Jahre als erster Kapellmeister und Hofoperndirektor nach Wien. Aufgrund künstlerischer Differenzen wagt er den Sprung in die neue Welt und unterschreibt im Jahr 1908 einen Vertrag mit der Metropolitan Oper in New York. Am 12. November 1908 reist der Herr Musikdirektor gemeinsam mit seiner Frau Alma und Tochter Anna von Hamburg nach New York an Bord der Amerika ab.

Der Klavierbauer: Heinrich Engelhard Steinweg, bekannt als Henry E. Steinway, 1797 – 1871, wandert am 28. Mai 1850 im Alter von stolzen 53 Jahren mit seiner Frau Juliane und den gemeinsamen sieben Kindern im Alter von sieben bis 23 Jahren aus. Die Reise an Bord des Schiffs Helene Sloman unter Kapitän P. N. Paulsen dauert 30 Tage. Der aus Seesen im Harz gebürtige Instrumentenbauer arbeitet nach der Ankunft gemeinsam mit seinen Söhnen in einer Klavierfabrik. Bereits im März 1853 gründet seine eigene Firma Steinway & Sons. Sohn Christian Friedrich Theodor eröffnet 1870 in Hamburg eine Dependance. Die Familie engagiert sich für das kulturelle Leben und die Wirtschaft von New York: 1866 gründen sie die Steinway Hall, Vorgängerin der Carnegie Hall. Wilhelm, ein weiterer Sohn plant die erste U-Bahn des Big Apple.

Der Erfinder: Emil Berliner, 1851 – 1929, wanderte am 27. April 1870 an Bord des Dampfschiffes Hammonia der Hamburg-Amerika Linie über Hamburg nach Amerika aus, um dem preußischen Einberufungsbefehl zu entgehen. Der in Hannover geborene Commis (Gehilfe) wird als Erfinder weltberühmt. Er entwickelt 1877 ein Mikrofon für den Fernsprecher. 1887 erfindet er die Schallplatte und das Grammophon. Berliner war ein echter Kosmopolit, der in späteren Jahren abwechselnd in Amerika, Deutschland, England und Kanada lebte. Gemeinsam mit seinem Bruder Joseph gründet er 1898 die „Deutsche Grammophon Gesellschaft“. Später arbeitet er an Leichtmotoren für die Flugzeugindustrie sowie an Hubschraubern, die 1919 zum ersten Mal abheben.

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